Zum Inhalt springen
Startseite » News » Stadt der Möglichkeiten?

Stadt der Möglichkeiten?

01.01.2018

Wohin geht Marl?

Die Stadtspitze und die politischen Mehrheiten überschlagen sich beim Ausmalen einer rosigen Zukunft für unsere Stadt. Von der ‚Boomtown‘ Marl ist die Rede, von der man weltweit spricht. Von Investoren, die geradezu Schlange stehen, um bei uns ihre überschüssigen Millionen anzulegen. Und dabei soll all das, was sich da als Zukunftsvision abzeichnet, nicht etwa den Köpfen irgendwelcher Planer entsprungen sein, sondern der Ausfluss einer groß angelegten Bürgerbeteiligung; sozusagen der Herzenswunsch aller Marler sein. Und dann fällt das Zauberwort: ISEK, übersetzt ‚Intergriertes Stadtentwicklungskonzept‘. Tatsächlich aber wird die Bürgerbeteiligung nur suggeriert; tatsächlich hat es gesetztlich vorgeschriebene ‚Arbeitskreise‘ gegeben, bei denen Bürger gefragt wurden, wie sie es denn gerne hätten in ihrer Stadt. – Foto: Metro-Logistik

Die gemessen an der Gesamtbevölkerung verschwindend kleinen Minderheiten, die sich zu diesen Terminen zusammenfanden, haben vor sich hingesprudelt und alles das aufgezählt, was sie in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft vermissen. Insgesamt ein Sammelsurium von Wünschen, spontan geäußert, ungeordnet und konzeptlos und schon gar nicht integriert. Schlaue Köpfe – Planungsbüros aus Köln und Dortmund im Verbund mit dem städtischen Planungsamt – haben dann daraus gestrickt, was sich ISEK nennt. Wie der Name schon sagt: ein Konzept, bei dem die Wunschvorstellungen zu einem Handlungsfaden zusammengewebt wurden, wobei hier und da auch einmal erwähnt wird, was Bürger sich gewünscht haben – wenn es das Konzept denn erlaubt.

Schauer wir uns die Maßnahmen etwas genauer an.

Kernstück des ISEK ist die Stadtmitte. Dort geht es vor allem um das Rathaus und den Marler Stern. Das dank ‚höherer Gewalt‘ und gegen den ausgesprochenen Willen des Großteils der Bevölkerungs- und der überwältigenden politische Mehrheit unter Denkmalschutz gestellte Gebäude wird mit einer noch unklaren Investitionssumme saniert. Die von den Aufsichtsbehörden geforderte Funktion eines ’sozialen Rathauses‘ hat dazu geführt, dass der Verwaltung nichts anderes eingefallen ist, als die Räumlichkeiten des renommierten Skulpturenmuseums Glaskasten dafür in Anspruch zu nehmen und als neuen Museumsstandort ein Gebäude ‚wiederzuentdecken‘, das zwischenzeitlich bereits dem Verfall und Abriss zugedacht war: die alte Hauptschule neben dem inzwischen abgerissenen Hallenbad. Und an dieser Stelle fand dann eine andere Idee ihren Ankerpunkt: die Etablierung eines neuen Kulturzentrums in eben dieser Hauptschule. Im Klartext: der Marler Stern wird demnächst nach dem Willen eines privaten Investors von seinem kulturellen Ballast (Volkshochschule, Bibliothek, Spieliothek) befreit und zum reinen Konsumtempel. Abgesehen davon, dass damit die Gründeridee des Nebeneinanders von Konsum und Kultur radikal über den Haufen geworfen wird, gibt es bezüglich der Finanzierung des neuen Zentrums aktuell nicht einmal den Hauch eines belastbaren Ansatzes; die Hoffnungen ruhen auf vagen Zuschussversprechungen der Landesregierung. Trotzdem tut der Bürgermeister und vor allem und ausschließlich die SPD so, als ob die Kopfgeburt bereits Realität und erfüllt sei.

Ähnliches gilt für eine Reihe anderer Bereiche. So gibt man den gesamten Marler Stern und seine Randbereiche in die Hände privater Investoren und beugt sich nahezu blind deren Sonderwünschen. Auf dem Grundstück des ehem. städtischen Hallenbades sieht man bereits die angedachten Immobilien stehen, obwohl für deren Realisierung überhaupt noch kein greifbarere Ansatz zu erkennen ist außer einer Ideenskizze des Planungsamtes. Über neue Straßen läuft zusätzlicher Verkehr und die ehemals charakteristischen Freiräume werden beseitigt.

Die Verwaltung und die politischen Mehrheiten glauben mit der Ansiedlung des Metro-Logistikzentrums und den zukünftigen Betrieben auf der AV-Zechenbrache an der Carl-Duisberg-Straße, bei denen Logistik ebenfalls eine maßgebliche Rolle spielen dürfte, den Strukturwandel in den Griff bekommen zu haben. Kein Gedanke wird verschwendet an den schon in der Umsetzung befindlichen Wandel gerade im Logistikbereich, dem mittelfristig eine drastige Reduzierung der Beschäftigten folgen wird, während die eingehandelten Flächenversiegelungen und spürbaren Belastungen (Verkehrsaufkommen) bleiben. Zusätzlich hinzu kommen weitere Reduzierungen von Rückzugsflächen durch Ausweisung von Bauflächen (Jahnstadion) und die drohenden Aussicht auf eine Abfallhalde insbesondere für Bauschutt aus der gesamten Region.

Nimmt man noch hinzu, was auf den im ISEK ausgewiesenen sog. Potenzialflächen noch geschehen könnte und sich für den Stadtteil Hüls bereits abzeichnet, kann festgestellt werden, dass sich das Gesicht Marls an vielen Stellen erheblich verändern wird. Ob aus der im ISEK konzipierten „Stadt der Möglichkeiten“ tatsächlich eine neue funktionsfähige homogene Einheit wird, bleibt eine Erwartung, von der manche meinen, die Lösung aus dem drohenden Niedergang gefunden zu haben. Andere haben da so ihre Zweifel.

 

Schlagwörter:

Schreibe einen Kommentar